Manguebeat — Do Mangue Para o Mundo

Manguebeat — Do Mangue Para o Mundo

Sapucaiu no Samba wird 2026 mit dem Thema „Manguebeat – Do Mangue Para o Mundo“ eine Hommage an den Manguebeat präsentieren – eine kulturelle und musikalische Bewegung, die in den 1990er Jahren in Recife, im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco, entstand. Sie verlieh den Ungehörten eine Stimme und rückte die Ungesehenen ins Licht.

Künstler*innen wie Chico Science, Nação Zumbi und Mundo Livre S/A entwickelten den Manguebeat als Reaktion auf eine Zeit, die von Armut, Abgehängtheit und kultureller Unsichtbarkeit geprägt war. Sie verbanden afrobrasilianische Rhythmen wie Maracatu, Coco, Afoxé und Samba Reggae mit Rock, Hip-Hop und elektronischer Musik und schufen so eine neue, selbstbewusste Ausdrucksform.

„Mangue“ bedeutet Mangrove und bezeichnet ein faszinierendes, einzigartiges Ökosystem zwischen Fluss und Meer, geprägt von Schlamm, Gezeiten und Überleben. Dieses Gebiet wurde vermüllt, zugeschüttet und ausgeblendet – und zugleich zum Lebensraum marginalisierter Menschen, die hierher verdrängt wurden. Auch in diesen Favelas konnten sie nicht auf die Hilfe des Staates hoffen, mussten sich selbst organisieren und entwickelten vielfältige Formen des Überlebens und der Gemeinschaft. Massen an Krabben huschen zwischen den roten Mangrovenwurzeln umher und helfen der armen Bevölkerung zu überleben – sie sind zugleich Nahrungsquelle und Identifikationsfigur. Der Manguebeat setzte diesem Zustand ein starkes Bild entgegen: eine Satellitenschüssel im Schlamm, verwurzelt im Lokalen und zugleich verbunden mit der Welt.

Aus diesen Wurzeln schöpften die Menschen neue Kraft und entwickelten Stolz auf ihre Kultur. Der Manguebeat gab Recife und Pernambuco neue Sichtbarkeit und ließ eine Bewegung entstehen, die bis heute weltweit widerhallt – eine Energie, die wir von Sapucaiu no Samba mit großer Leidenschaft und Überzeugung aufgreifen und auf die Straßen Berlins bringen wollen. Allenthalben entdeckt man dabei die ikonischen Symbole des Manguebeat: den Strohhut und die Sonnenbrille von Chico Science, die Krabbe als Sinnbild des Überlebens sowie die Zeichen afro-indigener Traditionen des brasilianischen Nordostens, etwa des Caboclo de Lança und des Maracatu de Baque Solto.

Zur Musik der bekannten Sambaschule Grande Rio, die mit ihrem Enredo „A Nação do Mangue“ ebenfalls das Thema Manguebeat aufgreift, bewegt sich unser großer Umzug mit Tänzerinnen, Musikerinnen und Künstlerinnen durch die Straßen. Der Wagen ist ein Mangrovenwald mit Wurzeln, Netzen und Blätterdach, bevölkert von Krabben, Fröschen und einer Satellitenantenne als Zeichen weltweiter Vernetzung. Unsere Sängerinnen erinnern in Stil und Erscheinung an Chico Science und bringen die musikalische Energie des Manguebeat in die Parade. Die Tänzerinnen stehen für die lebens- und farbenfrohe Sambakultur, für Bewegung, Freude und Widerstandskraft, während Schlamm, Mangroven und Krabben allgegenwärtig sind und den Ursprung dieser Kultur sichtbar machen. Die Bateria tritt als Krabbenkollektiv auf und repräsentiert die Menschen des Mangue, ergänzt durch Figuren wie den Caboclo de Lança und Stelzenläuferinnen, die in eindrucksvollen Kostümen über allem zu schweben scheinen – alles entsteht aus dem Schlamm und wird zu Musik, Tanz und lebendiger Parade.

Und weil wir Sapucaiu no Samba sind, dürfen auch in diesem Jahr die Frösche in unserer Mangrove nicht fehlen